the making of

Betrachtungen über das langjährige Mitwirken bei der Entstehung von „Alte und neue Kunst“
sowie über das Design und die Produktionsbedingungen der Buchreihe.

Von Wolfgang Noltenhans, Mediengestalter in Paderborn

Dieser hier leicht modifizierte Aufsatz erschien in der Jubiläumsausgabe von „Alte und Neue Kunst“ Band 45, 2009

Der vorliegenden Buchreihe alte und neue kunst bin ich seit 1975 freundschaftlich verbunden – später dann auch als Mitglied dem Verein für Christliche Kunst. Seinerzeit war es Prof. Dr. Karl-Josef Schmitz, der mich gelegentlich mit Fotoarbeiten beauftragte, die er für Publikationen benötigte. Den Verein in seiner heutigen Organisation könnte man auch als ein aus dem Diözesanmuseum hervorgegangenes Spin-off bezeichnen.  „Herr Professor“ (ich sprach ihn nie mit Namen an) verkörperte als Direktor des Diözesanmuseums Paderborn und gleichzeitig Vorsitzender des Vereins die alte enge Verbindung als letzter noch in Personal­union. Dessen Vorgänger Propst Dr. Wilhelm Tack und Prälat Franz Wüstefeld zeichneten für die Ausgaben in den 1950er und 1960er Jahren verantwortlich.

Im Vorwort der ersten Ausgabe 1950 wird von Propst Tack ein Anspruch formuliert, der in 60 Jahren seine Gültigkeit behalten hat und immer noch gelebt wird (siehe Bildergalerie unten und siehe Zitate auf der Startseite).

Titelseiten-Entwicklung 1951–1998

Titelseiten-Entwicklung Alte und neue Kunst 1951–1998

Zwänge der Fotografie

alte und neue kunst interessierte mich anfangs vor allem insofern, als dass ich darauf „brannte“, Abbildungen in einem und für ein christliches Umfeld erstellen zu können. Und obendrein gab es stets ein kleines Honorar! Wenn ich das Belegexemplar erhielt, galt mein erster Blick natürlich meinen Bildern, mit dem Bangen, ob sie verwendet wurden und was geworden worden waren. Enttäuschungen blieben nicht aus, denn alle Schritte der Produktionskette waren technischen Beschränkungen unterworfen, die heute allgemein nicht mehr bewusst sind. Fotos ließen sich kaum manipulieren und mussten von vornherein in maximaler Qualität abgeliefert werden. Im Schwarzweiß-Ablauf standen immerhin vier Mittel der Beeinflussung zur Verfügung:

  • Wahl der benötigten Filmempfindlichkeit.
  • Anwendung einer mehr oder weniger forcierten Filmentwicklung.
  • Verwendung einer harten oder weichen Papiergradation.
  • Abwedeln und Nachbelichten.

Das war’s. Durchgezeichnete Schatten und Lichter bei hellen Mitteltönen und ein kontrastreicher, aber ausgewogener Gesamteindruck blieben Zauberei von Profi-Laboranten auf Barytpapier. Vor allem in der Farbfotografie war jede Unzulänglichkeit bei der Aufnahme endgültig festgeschrieben und musste vorab erkannt und vermieden werden. Schon bei der Entscheidung für eine bestimmte Film-Marke konnte man auf die Verliererseite geraten. Ab Mitte der 1980er Jahre standen dann exzellente Kunstlicht-Diafilme mit klaren und neutralen Farben zur Verfügung, die statt des Einsatzes von Blitzlicht mit seinen Unwägbarkeiten und Verbrauch von teurem Polaroid-Material (zur Vorab-Kontrolle, vergleichbar mit dem heute üblichen Blick auf den Kamera-Monitor) die Verwendung von Halogen-Dauerlicht ermöglichten.

Buchgestaltung mit kleinen Veränderungen

In den ersten Ausgaben waren farbige ­Abbildungen ausgesprochene Raritäten. Man leistete sich aber stets eine „Farbtafel“ als Buchvorspann. In einer der Ausgaben der 1960er Jahre wurden Farbdrucke in die Seiten sogar eingeklebt. Die vier Ausgaben 1961/62/63/65 erhielten eine grafisch gelungene Titelseitengestaltung mit dem Luxus, jedes Mal eine andere dezent variierende Farbkombination anzuwenden. Bei den drei Titeln 1968/69, 1970/71 und 1978/79 wurde diese Tradition leider wieder aufgegeben und statt dessen Einzel-Experimente mit fragwürdiger Typografie realisiert, die die Zugehörigkeit zu einer traditionsreichen Buchreihe nicht mehr erkennen ließen.

Bei den redaktionellen Abbildungen legte man von Anfang an Wert auf gute Qualität; es wurde fast immer Material von Profifotografen ausgewählt.

Technischer Fortschritt

1975 war der Computer, zumindest für die Gestaltung von Druckerzeugnissen, noch nicht erfunden. Bis zur „Ära Schmitz“ wurde alte und neue kunst in enger Zusammen­arbeit mit dem traditionell verpflichteten Bonifatius-Verlag mit langen Vorlauf- und Planungszeiten publiziert. Eine weitere Neugestaltung ab der Ausgabe 1983/84 (erschienen 1986) nutzte konsequent die Möglichkeiten des damals üblichen sog. Fotosatzes (Zwar schon elektronisch, ­jedoch noch nicht digital).
1. Die Titelseite erhielt endlich wieder ein systematisches Layout, in welchem die vormals ganzseitige Abbildung mit motivabhängig einkopier­tem Schriftzug nun einer stren­geren Gestaltung wich, bei der die Abbildung in festgelegter Breite vor großzügig weißem Hintergrund unterhalb des in dünnen Versalien gesetzten Titels erschien.

2. Auf den Innenseiten löste ein zweispaltiges Layout mit Kolumnentitelleiste die bis dato einspaltige Gestaltung ab. Kleinere Abbildungen wurden nun in den laufenden Text integriert und erhielten direkt zugeordnete Bildunterschriften. Farbige Abbildun­gen waren nicht mehr darauf beschränkt, auf einem einzigen Druckbogen en-bloc zusammengefasst zu werden (man nennt solche Seiten etwas gekünstelt „Farbtafeln“), sondern wurden im Layout dynamisch nach thematischen Erfordernissen platziert.

Im Verlag waren für die Textgestaltung ausgebildete Schriftsetzer zuständig, die an computerähnlichen Satzanlagen arbeiteten. Als Ergebnis kamen Textstreifen auf Film zustande, die auf dem Leuchtpult zusammen mit den von der „Lithoanstalt“ gelieferten Abbildungen zu Seiten auf Bögen zusammenmontiert (geklebt) wurden. Farbabbildungen wurden seit den späten 1970er Jahren nicht mehr rein fotomechanisch-/chemisch reproduziert, sondern von externen Spezialisten mit millionenteuren Trommelscannern gescannt. Ein deutlicher Qua­litätssprung, der bei alte und neue kunst 1983/84 sichtbar wird. Freilich hatte der Layouter noch wenig Spielraum. Die Bilder wurden nicht als Daten gespeichert, sondern beim Scannen zeitgleich als Filme ausgegeben, und so mussten sehr frühzeitig die endgültige Bildreihenfolge und die absoluten Abbildungsgrößen festgelegt werden. Ein planerischer Blindflug mit ­hohem Abstrak­tionsverlangen!

Typografisch tat sich nicht viel, denn die ausschließlich für ihre Gerätemarke existierenden elektronischen Schriften waren extrem teuer. Der Verlag blieb daher gerne bei einer der von Hersteller zu Hersteller leicht variierenden Versionen der bewährten Garamond. Der Auftraggeber bekam zu Kontrollzwecken auf Papier kopierte Abzüge dieser Filmstreifen vorgelegt – sogenannte „Druckfahnen“. Stolz durfte man einen privilegierten Blick auf ein entstehendes Produkt werfen, welches das Publikum erst später zu sehen bekam.

Seit 1990 übernahmen vermehrt kleine Büros oder die Kunden selbst mit preiswerten Programmen den Satz von Publika­tionen. So kam ich ins Spiel. Lediglich die Bildreproduk­tion per Hobbyscanner konnte den Ansprüchen noch(!) nicht genügen und sicherte den Reprobetrieben Auslastung bis etwa 2000.

Umfassendes Re-Design 1998

Nach einer 6jährigen Lücke, bedingt durch lange Krankheit und den Tod von Prof. Schmitz, sollte alte und neue kunst ab 1998 revitalisiert werden. Ich wurde aufgefordert, einen Entwurf für die fortzuführende Buchreihe in den alten Abmessungen 175 x 240 mm zu entwerfen. Nichts lieber als das!

Zunächst galt es, den Verein mit einem praktikablen, zeitgemäßen Logo auszu­statten, welches gleichberechtigt die inzwischen 4 beteiligten Bistümer mit stilisierten Silhouetten der Bischofskirch-Türme berücksichtigt. Online-Recherchen führten damals noch zu keinem Ergebnis, Bild-Agenturen waren zu teuer, und so fuhr ich los, um an einem Tag die Turmgruppen in Fulda, Erfurt und Magdeburg zu fotografieren.

1648

Unterschiede bei den Ziffern

Zur Typografie: Hauptschriftart ist seit 1998 die serifen­lose Myriad von Robert Slimbach des Herstellers Adobe. Die Myriad ist eine robuste, universell einsetzbare Werkschrift mit einer Anmutung zwischen zeitgemäß und zeitlos. Sie umfasst 5 Stärken in zwei Breiten (normal und schmal), jeden dieser „Schnitte“ auch in kursiv. Enthalten sind sogar die Zeichen für osteuropäische Sprachen sowie Griechisch und Kyrillisch, so dass auch exotische Zitate keine Probleme bereiten. Mit sog. „Medievalziffern“, einer weiteren Option der Myriad, werden Jahreszahlen gesetzt, was diesen einen authentischen historischen Charakter verleiht. Das Erscheinungsbild von alte und neue kunst wurde von Ausgabe zu Ausgabe weiter feinjustiert mit typografischen Optimierungen und mehr Farbe.

Kreativen Spielraum bieten sowohl das 2½-spaltige Grundlayout, aus dem man gezielt ausbrechen darf, als auch spezielle Frontispiz-Seiten, mit denen die thematisch gegliederten Abschnitte „Impulse“, „Kunst und Restaurierungen“ und „Künstler“ eingeleitet werden.

Auch „unter der Haube“ ist die Entwicklung nicht stehen geblieben. Musste man anfangs noch Rasterwinkel, Typ des Filmbelichters und Wahl des Speichermediums (z.B. 50 lückenlos aufeinanderfolgende funktionstüchtige Disketten) im Blick behalten, und waren pro Druckseite 4 (!) farbseparierte Einzeldateien abzuliefern, deren Erzeugung hohe Konzentration und eine halbe Nacht forderte, reicht es heute, im Idealfall 14 Tage vor dem gewünschten Liefertermin zwei einzelne PDFs auf einem Internet-Server bereitzu­stellen.
Immer geblieben sind trotz allem die kleinen oder großen „Überraschungen“, die hier aber aus gutem Grund nicht vertieft werden sollen.